Die Schwangerschaft mit Freda verlief unauffällig. Bei einer Routinekontrolle um die 11. Woche wurde eine verdickte Nackenfalte wahrgenommen. Sogleich wurden wir in die Pränataldiagnostik überwiesen und gleichzeitig kam auch ein vorsichtiges Nachfragen zum Thema Abbruch – dies lehnte ich direkt ab.
Zuhause brach es dann über mich herein… ein emotionales Chaos, Fragen über Fragen.
Erstmal brachen sämtliche Vorstellungen für unser scheinbar “selbstverständliches” drittes Kind, die genauen Vorstellungen über unser zukünftiges Familienleben, in sich zusammen.
Und dann ein tröstendes Gespräch, erstmal Schritt für Schritt zu gehen, von einer zur anderen Untersuchung zu schauen, brachte erstmal Ordnung in das emotionale Chaos.
Immer wieder kam die Frage auf, warum wir?
Jetzt kann ich sagen: weil wir genau die richtige Familie für unsere Freda sind, im Kopf die Worte des verstorbenen Opas meines Mannes: Gott gibt uns nur Aufgaben, die wir bewältigen können. So ordneten wir uns Woche für Woche, klärten alles nach und nach ab.
Die Ärzte der Pränataldiagnostik waren überrascht über unseren Umgang mit der Situation, unsere Selbstverständlichkeit Freda anzunehmen wie sie ist.
Da bei Freda organisch alles unauffällig war, konnten wir uns daran festhalten und die Ungewissheit beiseite schieben.
Während der Schwangerschaft und auch nach der Geburt stellten wir uns immer wieder die Frage, wie wir mit der Thematik umgehen wollen.
Sollen wir immer sagen, dass Freda Trisomie 21 hat? Was bedeutet das für Freda? Stecken wir sie direkt in eine Schublade noch bevor sie überhaupt geboren ist oder jemand sie kennenlernte? Relativ schnell beschlossen wir einen offenen Umgang. Die Reaktionen waren oft traurig, mitfühlend, verhalten. Für uns ein Zeichen, dass doch wenig Berührungspunkte und Wissen über das Downsyndrom vorhanden sind. Nach der Geburt war für uns schnell klar: Freda ist einzigartig, wunderbar, wie sie gemacht ist. Jeden Tag verzaubert sie uns mit ihrem fröhlichen Gemüt, ist aus unserem Leben nicht wegzudenken.
Sicherlich merke ich als Mama, dass ich mir in vielerlei Hinsicht mehr Sorgen um Freda mache, als bei Fredas Brüdern. Gerade um viele medizinische Besonderheiten, die kognitive und sprachliche Entwicklung, dies zehrt oft sehr an mir, bereitet mir schlaflose Nächte.
Eines ist allerdings sicher, Freda hat unser Leben bereichert, prägt es in so vielen Dingen, lässt uns vieles bewusster Wahrnehmen, entschleunigt unseren Alltag, da eben alles ein bisschen länger dauert… aber dann, bei jedem kleinsten Schritt freuen sich alle aus tiefstem Herzen mit unserer Freda.
Eva Zein
